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Geheimnisvoll, romantisch und traurig – das sind die Sagen aus Potsdam

Märchen und Sagen – ein perfektes Thema für kalte Wintertage, an denen man Zeit zum Lesen hat. Nun ist es zur Zeit nicht wirklich winterlich, aber man weiß ja nie und ich hoffe, dass Ihr trotzdem Lust auf den Blick in die Potsdamer Sagenwelt habt.

Aber was ist eine Sage ?

Sagen und Märchen sind in Deutschland beliebt wie eh und je. Dabei zeichnet Sagen etwas besonderes aus:

  • die Handlung wird bestimmt vom historischem Ereignis, auf welchem die Sage beruht/beruhen soll
  • Personen werden oft namentlich genannt, manchmal haben sie auch nur Bezeichnungen (eine Jungfrau, der Ritter, der Rattenfänger, usw.)

Ich möchte hier keine literaturwissenschaftlichen Abhandlungen posten, sondern auf die Region rund um Potsdam blicken. Denn es gibt sie durchaus, die Potsdamer Sagen.

Damals war’s – Geschichten aus dem alten Potsdam

Die ersten Sammlungen, die ich gefunden habe, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Sie sind natürlich in der damaligen Umgangssprache aufgeschrieben wurde. Danach gibt es immer wieder neue Fassungen, auch „moderne“. Ein Beispiel für den heutigen Umgang mit den Sagen ist das Buch „Die schönsten Sagen und Legenden aus Potsdam“ von Christiane Anlauff.  Sie konzentriert sich dabei auf 15 Sagen, deren Orte in und um Potsdam liegen. Im Buch findet man auch einen kleinen Plan, in dem diese eingezeichnet sind und den Vergleich zwischen damals und heute erlauben. Und die man wenn möglich auch erlaufen kann.

Meine Lieblingssagen

Mich haben die Geschichten des Buches sofort in den Bann gezogen. In viele Sagen geht es um Liebe und Romantik, aber auch die traurigen und brutalen Geschichten, wie es ja auch bei Märchen der Fall ist.

Durch den Bezug auf „wahre“ Gegebenheiten erfährt man einiges über die Geschichte der Stadt, wie den großen Brand im 16. Jahrhundert. Neugierig geworden, habe ich nach historischen Vorlagen gesucht und fast nebenbei wundervolle alte Grafiken oder Illustrationen gefunden.

Der Brauhausberg

Eine romantische Sage gibt es über den Brauhausberg, den in Potsdam jeder kennt. Hier finden Brida und der Junker Kurt von Brandenfels zueinander, beide Namen werden in der Sage genannt. Ihre Liebe drücken sie mit den Worten „Mein Herz und Dein Herz“ aus, die so groß ist, dass auf dem Berg bis ins 19. Jahrhundert ein Markt stattfand auf dem es Pfefferkuchenherzen mit der Aufschrift „Mein Herz und Dein Herz“ gab.

Diese Romantik kann man in den Bild gut nachvollziehen, oder?

Dann gibt es die Sagen, die kein Happy End haben, schlimmer noch, sie bringen Tod und Verderben. Wie den Brand von Potsdam im 16. Jahrhundert, der bösen Kräften zugeschrieben wird.

Oft geht es in den Sagen auch um den Kampf von Gut und Böse, der Versuchung, der Verlockung und der Strafe als Konsequenz der Handlungen. Beispiel ist hier die Sage „Unter den Eichen“, die ich auch erwähne, weil meine Heimatstadt Brandenburg an der Havel eine Rolle spielt. Damals im 8. Jahrhundert noch Brennabor genannt und von geheimnisvoller Natur umgeben. Ein nachgebautes Slawendorf kann man in Brandenburg besuchen, hier ein paar Fotos, die ich vor einiger Zeit gemacht habe.

Aber zurück zu den Sagen. Bei meiner Recherche habe ich noch die Sage vom Teufelssee gefunden. Dieser liegt südlich von Potsdam, in dem Naturschutzgebiet Ravensberge. Ein wenig unheimlich wirkt der See auf jeden Fall. Laut einer Sage fuhr der Teufel mit einer Kutsche durchs Land. Diese Kutsche war mit einem Schatz beladen und als es vom Blitz getroffen wurde, raste sie in den Fluß. Auch die zweite Sage hat etwas mit dem Teufel zu tun. Das slawische Volk der Wenden hätte hier ihre heidnischen Götzen verehrt. Später soll der Teufel soll das wendische Götzenbild entfernt und es durch sein eigenes Abbild ersetzt haben. Die Wenden bemerkten den Betrug nicht, da sie nur nachts ihre heimlichen Rituale veranstalteten. Daher beteten sie nun den Teufel an. (Quelle: https://potsdamwiki.de)

Und hier noch ein tolles Bild, ich kann mir nicht vorstellen, dass es damals so aussah ?

(Der Teufelssee bei Potsdam. Holzstich nach H. Selle, aus dem Jahr 1885)

Um das Thema abzurunden, gehört es sich, auch auf die Sagen und Legenden um „Friedrich den Großen“ hinzuweisen. Als Beispiel nehme ich die berühmte Geschichte um den Müller von Sanssouci, der sich gegen den König stellte und seine Mühle behalten konnte.

Die Historische Mühle existiert noch heute und kann besichtigt werden (https://www.spsg.de/startseite)

Bücher zum Thema

Damit möchte ich für heute schließen und hoffe, Euch neugierig gemacht zu haben. Hier die Leseliste, beginnend mit dem Buch „Die schönsten Sagen und Legenden aus Potsdam“ von Christine Anlauff. Das Buch ist im BeBra-Verlag erschienen und kostet 16 Euro.

Hier geht es zum Verlag, der ein großes Angebot an Bücher zu Berlin und Brandenburg hat. www.bebraverlag.de. Vielen Dank für das Leseexemplar. 

Die „alten“ Quellen sind sicher nicht vollständig.

– Reinhard, Karl v. (Hrsg.). – Sagen und Märchen aus Potsdamer Vorzeit. Verlag: Leipzig. Zentralantiquariat der DDR, 1989. (Reprint)

 

–  Kühne, Gisela, Horst Kühne und Berna Kühne – Potsdam Sagen. Potsdam in alter Zeit. Sagen, Anekdoten, Geschichten. –  Verlag: GHK Vlg Potsdam, 2001.

Sagen aus dem Bezirk Potsdam. Gesammelt und aufgeschrieben von Mitgliedern der Bezirksarbeitsgruppe „Brandenburgische Sprachgeschichte“. – Verlag: Potsdam: Bezirksausschuß Kulturgeschichte, 1989.

–  Handtmann, E. – Potsdamer Sagen und Märchen. – Verlag: Hayn’s Erben, 1912.

–  Temme, J.H.: Die Volkssagen aus der Mark Brandenburg, Berlin 1839.

Ergänzungen nehme ich gern entgegen.

Einige Postkarten habe ich bei ebay gekauft, oft kann man die Quellen nicht erkennen. Falls erkannt, habe ich sie genannt. Falls etwas falsch ist oder nicht korrekt zitiert wurde, bitte schreibt mir eine Nachricht. Ich verbessere das sofort.

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