Alle Artikel in: Stadtgeschichte

Buchpremiere: „John Gersman – Flüchtling – Befreier – Besatzer – Wohltäter“

Anfang November 2019 konnte ich an einer besonderen Buchpremiere teilnehmen, als im Potsdam-Museum die Publikation „John Gersman – Flüchtling – Befreier – Besatzer – Wohltäter – Lebensweg aus dem Nachlass rekonstruiert durch Wolfgang Weißleder“ vorgestellt wurde. Der Ort der Vorstellung war bewußt gewählt, denn neben der John Gersman-Stiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), der Druckerei Rüss trug der Förderverein zum Erscheinen des Buches bei. Verständlich dass die Veranstaltung von Markus Wicke, dem Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam Museums e.V., eröffnet wurde. Das Grußwort hielt Ines Koch, Leitung Ortskuratorium Potsdam der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, hier auf dem Bild mit zwei wichtigen Taschen, denn diese enthalten sprichwörtlich das Leben John Gersmans. Aber wer war John Gersman ? Ich möchte hier nur einen kurzen Überblick geben, mehr dazu gibt es im Buch. John Gersman (1911 – 2003), geboren als Joachim Gersmann in Berlin geboren, kam 1927 mit seinen Eltern nach Potsdam. Diese hatten in der Brandenburger Straße 19 ein Herrenmodengeschäft übernommen und auch Joachim arbeitete als Verkäufer bis er durch die Nazis gezwungen wurde, dass Land zu verlassen. So ging …

Akademie der Künste diskutiert über die Potsdamer Garnisonkirche

Seit 2017 wird der Turm der Garnisonkirche in Potsdam unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten wieder aufgebaut, doch der öffentliche Streit über dieses Bauvorhaben ebbt nicht ab. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade in der letzten Woche hat der Haushaltsausschuss des Bundestags einer weiteren Mittelerhöhung zugestimmt. Die Fördersumme wird insgesamt über 20 Millionen Euro betragen. In einem offenen Brief unter dem Titel „Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam: Bruch statt Kontinuität – Notwendig ist ein Lernort anstelle eines Identifikationsorts“ haben im August dieses Jahres zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft grundlegende Änderungen an dem Projekt eingefordert. Sie kritisieren eine fehlende Distanz zu den rechtslastigen und militaristischen Traditionen des Ortes. In Folge des Briefes wurde der Nachbau des Glockenspiels wegen seiner revisionistischen Widmungen abgeschaltet, aber die Fragen nach der architektonischen Erscheinung, seiner zukünftige Nutzung und nach der Trägerschaft des Projektes bleiben. Anlass für die Sektion Baukunst der Akademie der Künste, die unterschiedlichen Positionen auf einem gemeinsamen Podium zusammenzubringen. Podiumsgespräch mit Thomas Albrecht, Architekt der Garnisonkirche Potsdam; Wolfgang Huber, ehemaliger Bischof Berlin-Brandenburg; Saskia Hüneke, Kunsthistorikerin; Detlef Karg, Landeskonservator Brandenburg …

Blick in das Dampfmaschinenhaus – auch bekannt als die „Potsdamer Moschee“

In Potsdam hat im November 2019 die Winterpause für viele Schlösser begonnen, aber es gibt trotzdem noch einiges zu sehen. Wie das Dampfmaschinenhaus, das in jeder Jahreszeit nur eingeschränkt besichtigt werden kann. Allerdings gibt es die Möglichkeit Führungen zu buchen, vielleicht ein wäre das etwas für den einen oder anderen. Aber auch von außen ist das Gebäude sehr eindrucksvoll. Wie kommt dieses Bauwerk nach Potsdam ? Eine exotische Sehenswürdigkeit in Potsdam ist das von Ludwig Persius 1841 und 1843 erbaute Dampfmaschinenhaus. Damals war es durchaus üblich fremde Baustile in die eigenen Bauwerke zu integrieren, das Dampfmaschinenhaus ist aber mit seiner Kombination aus Technik und fremdem religiösen Bauwerk ein ungewöhnliches Beispiel. Im Inneren befand sich seit 1842 eine 81,4 PS starke Dampfmaschine, die die Wasserversorgung der Gärten in Potsdam dienen sollte, speziell die 38 m hohe Fontäne im Park Sanssouci. Hierzu wurde durch eine 1,8 km lange Leitung Wasser aus der Havel gepumpt. Die ursprüngliche Dampfmaschine blieb 50 Jahre in Betrieb und wurde dann von einer stärkeren Maschine mit 160 PS abgelöst, die bis 1937 ihren …

Das Museumshaus „Im Güldenen Arm“

Das Museumshaus „Im Güldenen Arm“ ist das älteste original restaurierte Haus der zweiten Potsdamer Stadterweiterung. Obwohl es im Stadtzentrum liegt, in einer Querstraße der Brandenburger Straße, scheint das Museumshaus etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Zu Unrecht, denn das Haus besteht aus Fachwerk und ist damit das Einzige, das in dieser Bauart in Potsdam erhalten geblieben ist. Besonders auffällig ist die Eingangstür.

Wie geht es weiter mit der Garnisonkirche ?

In der letzten Zeit sind zwei Gebäude wieder in den Focus der Potsdamer Öffentlichkeit gelangt. Nicht zum ersten und bestimmt nicht zum letzten Mal, denn die Zukunft der Garnisonkirche und die des Kunsthauses Rechenzentrums sind eng miteinander verbunden. Wie sieht es aktuell aus ? Nach der von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) angestoßenen Kompromisssuche zum Wiederaufbau der Garnisonkirche ist die Zukunft der Kirche wieder unsicher. Schubert hat sich unter anderem für ein Jugendbegegnungszentrum neben dem Kirchturm sowie ein stärkeres inhaltliches Engagement der Stadt für die dort geplante Ausstellung ausgesprochen. Auch Frank Walter Steinmeier begrüßt die Suche nach einem Kompromiss. Was bedeutet das für das Rechenzentrum ? Im Kunsthaus steht einem möglichen Wiederaufbaudes Kirchenschiffs im Weg und „wartet“ auf seinen Abriss. Die zeitliche Begrenzung der Mietverträge ist ein großes Problem, die Nutzung als Kreativzentrum sei nur als Zwischenlösung gedacht, der Abriss lange beschlossen, denn ein Teil des Rechenzentrums steht auf dem Grundstück der Kirche. Eine komplizierte Situation. Blick aus dem Kunsthaus/Rechenzentrum Zahlreiche Künstler arbeiten hier, ihre Kunst stellen sie auch hier aus. Die Gänge des Gebäudes sind lang …

Aus dem Stadtleben – die Nikolaikirche

September 2019 Was ist an der Nikolaikirche los ? Seit dieser Woche geistern viele Meldungen zu einem der Potsdamer Wahrzeichen durch die Presse. Hier eine kleine Chronologie der Meldungen: Am Montag, den 2. September veröffentlichte die MAZ die Meldung, dass es während der Abrissarbeiten an dem Fachhochschul-Gebäude am Alten Markt im vergangenen Jahr zu Schäden im Inneren gekommen war. Konkret ist es zu „Putzabplatzungen“ am Westfenster im Inneren der Kirche gekommen. Die Versicherung des Sanierungsträgers habe dies als „Folgeschäden“ anerkannt und 60.000 Euro für die Instandsetzung gezahlt. Nikolaipfarrer Matthias Mieke bestätigte, dass die Reparaturarbeiten demnächst beginnen. Hier ein „altes“ Bild mit Teil der FHS. Für Nicht-Potsdamer, hier entsteht das neue Quartier. Der 3. September konnte man in der PNN lesen: „Alte Kaiserstraße am Alten Markt entdeckt“. Das betrifft die Nikolaikirche nicht direkt, aber die Bauvorbereitungen für das Quartier am Alten Markt liegen direkt vor der Kirche. Der Artikel ist wirklich sehr interessant, denn dort werden Szenarien für die Einbindung der Funde (wie auch einer alten Straßenbahnschiene) in das neue Quartier erläutert. Natürlich hat Potsdam schon viele …

“Der Mensch bezwingt den Kosmos” (1972) – das Mosaik am Rechenzentrum in Potsdam

Ich möchte Euch heute die Besichtigung eines Kunstwerkes aus der ehemaligen DDR empfehlen. Klingt merkwürdig, aber Ihr solltet Euch die Gelegenheit nicht entgehen lassen, denn das Glasmosaik von Fritz Eisel findet man neben der Baustelle zur Garnisonkirche. Das umstrittene Bauwerk wird wieder aufgebaut, die Frage ist was passiert mit dem unter Denkmalschutz stehenden Mosaik. Das Glasmosaik Das 18-teilige Mosaik von Fritz Eisel thematisiert den technischen Fortschritt und den Aufbruch der sozialistischen Gesellschaften ins Weltall. Im Kontext des Kalten Krieges sollte damit die angenommene technische Überlegenheit des Ostblocks gegenüber dem Westen im Wettlauf um das All illustriert werden. Der 2010 gestorbene Kurt Eisel gestaltete das Mosaik anlässlich des Neubaus des Rechenzentrums in den Jahren 1971 und 1972. Der Künstler lebte damals in Potsdam. Später wurde er Professor und Rektor der Dresdner Kunsthochschule. In der Potsdamer Arbeit befasste er sich in den einzelnen Bildtafeln neben den Themen Kosmos, Wissenschaft und Technik insbesondere mit Datenverarbeitung.  Zwei Infotafeln informieren über die Geschichte des Mosaiks an der Fassade. Leider waren sie bei meinem Besuch stark beschädigt. Ich habe sie zwar fotografiert, …

Abgerissen – das Gebäude der alten FHS

Von dem ehemaligen FH-Gebäude in Potsdams ist eine Menge Bauschutt übriggeblieben, als am Donnerstag, dem 16. August 2018, die letzten Wände fielen. Anstelle der alten Fachhochschule soll dort ein Karree aus Wohn- und Geschäftshäusern gebaut werden. Insgesamt werden 15 neue Gebäude auf der Fläche von 6300 Quadratmetern entstehen, wobei bis dahin noch ein paar Jahre vergehen werden. Der Vormittag Am Morgen stand noch einen Teil der alten FHS, aber die Bagger kamen voran. Am Nachmittag In der Potsdamer Presse wurde der Abriss-Termin bekannt gegeben und so standen viele Leute am Bauzaun und schauten den Baggern zu. Auch ich habe mir einen guten Platz suchen wollen, aber mit 30 Grad und strahlend blauem Himmel, war das nicht einfach. Also machte ich mich auf dem den Weg auf die Kuppel der Nikolaikirche. Blick von der Nikolaikirche Ein toller Ausblick, nur leider ohne Schatten und fast ohne Blick auf die Baustelle. Pech gehabt. Man konnte von oben die Mauern fallen hören, also wollte ich schnell wieder hinunter. Leichter gesagt als getan, bei der engen Wendeltreppe, aber zum Glück sind …