Aus dem Stadtleben, Literatur & Bücher
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30. Nov. 2019 – 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr – Schöne Bücher aus Brandenburg

Schöne Bücher aus Brandenburg – Verkaufsausstellung brandenburger Buchverlage

30. Nov. 2019 – 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Treffen Sie Autoren, lassen Sie sich von schönen Büchern inspirieren und diese signieren!

Diese Messe ist keine große Schau der Massenware, aber es ist eine, die sehr Feines und Eigenes zeigt, nämlich schöne Bücher von Verlagen, Autoren und Buchkünstlern aus dem Flächenland Brandenburg. Das ist Literatur und Buchkunst, die Zeit für Wahrnehmung einfordert und einen Rahmen, der diesen besonderen Blick ermöglicht. Ein besonderes Schaufenster sozusagen und das an keinen Ort besser passt, als in der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek, und zu keiner Jahreszeit treffender, als zu der, in der wir alle mit besonderer Lust in Schaufenstern nach Schönem Ausschau halten.
Fünfzehn außergewöhnliche Brandenburger Verlage, Autoren und Buchkünstler laden Sie herzlich ein, um besonders Schönes zu treffen, kennenzulernen und vielleicht liebzugewinnen.
Nehmen Sie unsere schönen Bücher zur Hand, blättern Sie darin, kommen Sie mit den Autoren ins Gespräch und lassen Sie sich Bücher signieren!
Wir freuen uns auf Ihre Neugier, Ihre Fragen, Meinungen und natürlich auf Ihre vorweihnachtliche Kauflust.

Rahmenprogramm:

11 Uhr Themenführung „Uns gehört nur die Stunde... Theodor Fontane und die Sammlung Brandenburgica“

15 Uhr Ausstellungseröffnung von typografischen Literaturplakaten

Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist barrierefrei erreichbar.

7 Kommentare

  1. Was als ein Akt des Hausierens zum Aufbau einer brandenburgischen Buchmesse so mühsam begann, ist binnen anderthalb Jahren nicht allein zu einem erfolgreichen Selbstläufer geworden, viel mehr noch hat sich die Messe schon zum Mittelpunkt einer Branche im Land entwickelt, die bis dahin als eine solche nicht (mehr) erkennbar war. Die zweite Ausgabe der ursprünglich als Einladungsmesse angelegten Buchmesse »Schöne Bücher aus Brandenburg« musste keine Teilnehmer mehr einladen. Die Büchermacher des Landes sind neugierig auf das Schaufenster geworden und das bräuchte stattdessen bereits ein größeres Korsett. Einstweilen müssen die Teilnehmer der zweiten Auflage etwas enger zusammenrücken. Denn es geht eben nicht nur um Qualität, es geht auch um Vielfalt. Und da zeigt es sich, dass sich Brandenburgs Büchermacher noch vielfältiger präsentieren, als zur Erstauflage. Der Saal in der Stadt- und Landesbibliothek wird also mit 17 Teilnehmern noch etwas gefüllter sein als im letzten Jahr schon. 17 der kreativsten Büchermacher Brandenburgs werden Lyrisches, Erzählerisches, Wissenschaftliches, Illustriertes, Phantastisches, Kunstvolles, Fotografiertes, Schwules, Dokumentarisches, Preisgekröntes, Historisches und Kindgerechtes auf die Tische legen. Und das auf dem hohen Niveau, das im vergangenen Jahr an gleicher Stelle vorgegeben worden ist.

    Die Prämiere vor einem Jahr und auch die Tage des offenen brandenburgischen Buches Anfang Oktober haben gezeigt, dass es eine Neugier der Brandenburger auf ihre Kreativen und deren beste und neueste Buchproduktionen gibt. Beispielsweise ganz sicher auf den Potsdamer vacat verlag, der in diesem Jahr sein 25jähriges feiern konnte. Zwei neue Bändchen zum Fontane-Jubiläum in gewohnt leichter Eleganz wird vacat dabei haben: Ein Fontane-Brevier, illustriert mit den frühesten Farbfotos aus Berlin und Brandenburg, und eine Begegnung mit der Welt Fontanes unter dem Titel »Fontaneske«. Der Cottbuser Fabrik-Verlag wird in Potsdam sein diesjähriges Jahreswerk »Die Ebene unserer Zweifel« der Öffentlichkeit erstmals vorstellen. Das in Handarbeit mit 32 Original-Grafiken und 15 Analog-Fotografien entstandene Ergebnis der erneuerten Kooperation des Grafikers Hans Scheuerecker, des Lyrikers Steve Sabor, des Fotografen Thomas Richert und des Siebdruckers Thomas »Trümmel« Lehmann erscheint in der limitierten Auflage von 16 Exemplaren.

    Der Kinderbuchverlag »Glückschuh« aus Falkensee wird 2019 neu dabei sein und das Buch »Sandor – Der geheime Schwarm« vorstellen, das als Beitrag zur UN-Dekade »Biologische Vielfalt« ausgezeichnet worden ist. Weiterhin neu dabei sein werden der Märkische Verlag aus Wilhelmshorst mit seinen »Poesiealben« und die Potsdamer Lyrikerin Andrea Lütkewitz mit ihrem kunstvollen Gedichtband »Von Monden«.

    Constanze Kreiser aus Brandenburg a. d. Havel wird ein neu geschaffenes Unikat-Leporello unter dem Titel »Vom Ende der Geschichte« vorstellen, das auf Paul Virilio Bezug nimmt.

    Wer grandiose Buchkunst erleben möchte, ohne zum Book of Kells nach Dublin zu reisen, der besucht den Stand der Buchkünstlerin Linde Kauert mit ihrer »Ziemlich biblischen Geschichte« und den des Cottbuser Malers und Grafikers Rudolf Sittner. In seiner mit dem Lyriker und Publizisten Klaus Trende geführten Edition WortGut erschien sein Unikatbuch »Mexico«, das in atemberaubender Weise an die Tradition der Buchgestaltung der Mönche des Mittelalters anknüpft. Zweifellos darf man die Büchermacher Brandenburgs als Identitätsbildner des Landes im besten Sinne auffassen, aber sie beweisen auch immer wieder, dass sie sich sehr gut auf »Ausländisches« verstehen: Mit Rudolf Sittners Blick auf Mexico, dem von Hans Jörg Rafalski nach Irland, dem von Hagen von Kornbach, der einen Jahreskalender für 2020 mit in Russland verbotenen Männerakten des Moskauer Fotografen Seva Galkin im Gepäck haben wird. Und natürlich mit dem Blick der edition Galerie Vevais nach Japan und China. In der zwischen Alexander Scholz und namhaften Künstlern entstehenden Werkdruckreihe sind nun die Arbeiten von Takeshi Shikama und Chin Chin Wu erschienen. Ersteres gerade in der LUNN Galerie Paris zu sehen, das Zweite in der weltweiten Wanderausstellung von 10 x 10 Photobooks by Women in der Public Library New York. Aber beide am 30. November in der SLB Potsdam.

    Die Edition Schwarzdruck aus Gransee wird den Debütroman des Berliner Künstlers Stefan Körbel unter dem Titel »Wendekreis (oder die Vollendung der deutschen Einheit im Südpazifik)« präsentieren, während der Potsdamer Klaus Becker Verlag neue Faksimile-Ausgaben verloren gegangener Bücher vorstellen wird: »Der belehrende Bergmann«, ein fassliches Lese- und Bilderbuch aus dem Jahr 1830 beispielsweise, und »Kacheln und Öfen der Mark Brandenburg«, einen Beitrag zur Geschichte des Kachelofens aus dem Jahr 1926. Und Natur + Text wird u. a. das neu erschienene Buch des einstigen rbb Gartenzeit- und Ozonmoderators Helmuth Henneberg unter dem Titel »Die Stunde des Gärtners« dabei haben. Der ebenfalls wissenschaftlich orientierte Aufland Verlag aus dem Oderbruch wird mit zwei neuen Publikationen zum Thema »Landwirtschaft« aufwarten, einem Werkstattbuch mit 20 Berichten von Landwirten aus dem Oderbruch aus dem breiten Spannungsfeld zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft und einem Buch zum Theaterstück »Die kluge Bauerntochter wird noch gebracht«. Daneben wird Aufwand das Buch zum 25-jährigen Jubiläum des Eberswalder Jazzfestes im Gepäck haben.

    Die Messe wird in diesem Jahr durch ein »Rahmenprogramm« bereichert. Von 11 bis 12 Uhr bietet die SLB unter dem Titel »Uns gehört nur die Stunde…« anlässlich des 200. Geburtstages von Theodor Fontane eine Führung durch die Sammlung Brandenburgica an. Und um 15 Uhr wird eine Ausstellung mit typografischen Plakaten zu Frauen in der Literatur eröffnet, die von der Gruppe »Typoesie« aus Grafikerinnen unter der Leitung von Frau Professor Betina Müller erstellt worden sind.

    Die Messe findet am 30. November 2019 von 10 bis 16 Uhr in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam statt. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist barrierefrei erreichbar. Das Café »et cetera« wird zum Veranstaltungssaal wieder geöffnet stehen und ein vorweihnachtliches Angebot bereit halten.

    Hans Jörg Rafalski, Initiator der Messe

    • kerstin sagt

      Vielen Dank für die Erklärung. Kann man sich vor Ort mit den Machern unterhalten? Ich würde gern Verlage für den Blog vorstellen.
      Viele Grüße Kerstin

      • Es werden Verleger, Buchautoren und Buchkünstler an den Ständen sein. Natürlich freuen wir uns über jedes Interesse an unserer Arbeit und stehen gern Rede und Antwort zu unseren Büchern, unserer Arbeitsweise, unserer Person. Sammler können auch gerne signierte Bücher bekommen. Und gerade junge Menschen, die mit einem Weg in die Buch- und Medienbranche liebäugeln, können hier Eindrücke und Erfahrungen sammeln oder Kontakte knüpfen. Betina Müller vom vacat verlag, die frühere Typografie-Professorin der FH, wird mit ihren Büchern vor Ort sein. Die Buchkünstlerinnen Linde Kauert und Constanze Kreiser und der Maler und Grafiker Rudolf Sittner werden da sein. Alexander Scholz wird vielleicht darauf antworten, wie man ein Brandenburger Buch in eine Ausstellung der New York Public Library bringt. Den Typografen und Drucker Marc Berger aus Gransee kann man zu seinen antiquierten, aber wunderbaren Druckmaschinen befragen. Die Messeatmosphäre im letzten Jahr war äußerst einladend und kommunikativ.
        Hans Jörg Rafalski

      • Liebe Potsdamerinnen und Potsdamer,
        wenn man so freundlich eingeladen wird, noch etwas über seine Veranstaltung zu sagen, dann will man das auch gerne noch tun.

        Die Brandenburger Buchbranche ist nicht sehr groß. Im Vergleich mit Berlin landen wir Brandenburger Büchermacher in der Regel auf den Schattenplätzen. Aber es gibt nichtsdestotrotz in Brandenburg großartige Verlage, deren Bücher zahlreiche, sehr renommierte Preise gewonnen haben. Vielfach unbekannt wird die edition Galerie Vevais aus dem Oderbruch sein. Vermutlich gibt es aber kaum einen deutschen Buchverlag, der die großen deutschen Preise häufiger geholt hat. Die Bücher, die unter der Leitung von Alexander Scholz in Kooperation mit namhaften deutschen und ausländischen Künstlern entstehen, sind wahre Meisterwerke. Jedes Buch erreicht den höchsten Druck- und Verarbeitungsstandard, den Bücher in der Gegenwart erreichen können. Und jedes Buch bietet ein Feuerwerk an typografischen und grafischen Ideen. Diese Bücher werden zurecht in New York und Paris gehandelt. Man kann einige in Potsdam entdecken, darin blättern und natürlich auch erwerben.
        Am bekanntesten wird den Brandenburgern dagegen der Potsdamer vacat verlag sein. Der gerade 25 Jahre alt gewordene Verlag unter der Leitung der Typografie-Professorin Betina Müller steht für seine typografisch und grafisch bis ins Detail sehr fein gearbeiteten Produktionen, vor allem zu Potsdamer und Brandenburger Themen. Bekannt wird den Potsdamern aber sicher auch der Verlag des Fotografen Jürgen Strauss für seine großen Potsdamer Bildbände sein.
        Einer der spannendsten Verlage Brandenburgs ist die Granseer Edition Schwarzdruck von Marc Berger. Neben dem Verlag betreibt er auch eine Druckerei mit antiquiertem Maschinenpark und einer Handpresse. Marc Berger ist gelernter Typograf und somit bieten seine Druckwerke immer etwas Gewaltiges und sehr Durchdachtes fürs Auge, und das häufig in altem, aber sehr beliebtem Stil.
        Neben den Buchverlagen werden einige selbstverlegende Autoren und Verlagsprojekte auf der Messe dabei sein. Der Wildauer Hagen von Kornbach gibt »schwule« Bücher heraus, womit er vermutlich ein Alleinstellungsmerkmal in Brandenburg besitzt. Er hat zwei Bildbände mit Männerakten russischer Fotografen herausgebracht, die in Russland nicht erscheinen dürfen. Kurioserweise hat sich auch in Deutschland keine Druckerei dafür gefunden – ja, da leben wir immer noch – und so hat die Bildbände die Druckerei der katholischen Kirche in Polen gedruckt. Daneben hat er mit den Bildern eines der beiden Fotografen – Seva Galkin aus Moskau – für 2020 auch einen Kalender aufgelegt.
        Höchsten Ansprüchen genügt auch das Buch von Manuela Busch und Frank Wiemeyer unter dem Titel „Gebrochene Poesie Uckermark“. Das Buch, das in drei unterschiedlichen Varianten erhältlich ist, kann man als das beste Beispiel dafür erachten, wie Brandenburger Büchermacher die Identität unseres Landes formulieren, wie sie dem Land das Gedächtnis schreiben. Der großartige Bildband über die Uckermark zeichnet ein präzises Zeitbild der Region – nicht anders, als es Fontane einmal tat, nur eben mit zeitgemäßen Mitteln.
        Die Teilnehmer der Messe freuen sich auf Ihre Neugier, Ihre Fragen, Meinungen und natürlich auf Ihre vorweihnachtliche Kauflust. Genießen Sie Brandenburg bei uns von seinen schönsten Seiten.
        Mit besten Grüßen, Hans Jörg Rafalski

      • Liebe Kerstin, wir alle würden uns freuen, wenn Menschen wie Sie kämen, um sich mit uns zu unterhalten!

        Über die Machart der Bücher, die Inhalte, die Gedanken dahinter und wie lange es dauert, ein Buch zu konzeptionieren. Falls Sie Interesse an meinen Künstlerbüchern haben, folgen Sie doch meinem blog http://www.kuenstlerbuecher.wordpress.com oder schauen Sie auf meiner website vorbei: http://www.kunstdenken.de – so von Brandenburger zu Brandeburger.

        Auf der Messe in der SLB werde ich voraussichtlich auch Graphiken, selbstgemachte Papierperlen und kleine Faltbüchlein dabei haben, also ideale Geschenke. An Büchern gibt es kleinformatige Editionen mit Fotos zu literarischen Texten und künstlerische Unikate, gedruckt, gemalt oder gezeichnet, handgebunden, die eher größere Themen wie Heimatgefühl oder -verlust, Digitalisierung oder ähnliche gesellschaftliche Veränderungen bearbeiten.

        Doch nun muß ich meine Sachen für eine andere Messe packen: 3 Tage artbook in Berlin. Beste Grüsse, Constanze Kreiser

        • kerstin sagt

          Danke für die netten Worte. Ich bin gespannt und wünsche erst einmal Erfolg in Berlin. Kerstin

  2. Ins Jubiläumsjahr von Alexander von Humboldts 250. Geburtstag passt natürlich der inzwischen zeitlos gewordene Bildband des Potsdamer Photographen Jürgen Strauss und seiner Reise nach Tagebuchnotizen Humboldts durch Südamerika. Dieser Band wird von STRAUSS Medien vor Drucklegung der vierten Auflage im nächsten Jahr auf der Buchausstellung „Schöne Bücher aus Brandenburg“ am 30.11.19 in der Stadt- und Landesbibliothek in Potsdam gezeigt.
    Ebenso bringt der Verlag aus Anlass des 200. Geburtstags Theodor Fontanes das fiktive Gespräch zwischen Prinz Heinrich und Theodor Fontane auf ihrem Spaziergang durch den
    Schlosspark Rheinsberg zu Gehör.

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