Max Beckmann. Welttheater – die Ausstellung im Museum Barberini (2018)

Man kann sich Potsdam ohne das Barberini kaum noch vorstellen, vor allem weil sich das Museum von Null auf Hundert in die Riege der erfolgreichsten Museen Deutschlands katapultiert hat. Man wird sehen, ob die Beckmann-Ausstellung diese Tradition fortsetzen kann, verdient hat sie es in jedem Fall.

Welttheater – worum geht es ?

Max Beckmann (1884–1950) gehört zu den bedeutendsten Malern der Klassischen Moderne. In den zwanziger Jahren stand er der Neuen Sachlichkeit nahe, später galt er als Expressionist, der früh internationale Beachtung fand. Viele seiner berühmten Triptychen hängen in Museen in den USA. Darunter befindet sich das bisher kaum in Europa präsentierte Schauspieler-Triptychon, das nun im Zentrum der neuen Ausstellung im Museum Barberini und exemplarisch für Beckmanns Idee der Welt als Bühne steht.
Diese Ausstellung versammelt 112 Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen und Privatsammlungen wie der Nationalgalerie Berlin, der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, dem Museum Ludwig, Köln, der Tate, London und dem Saint Louis Art Museum. Die Schau wurde in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen realisiert, die eine der größten Beckmann-Sammlungen Deutschlands besitzt. Dort wurde sie gezeigt, bevor sie nun in Potsdam zu sehen ist. Vor der offiziellen Eröffnung hatte ich die Gelegenheit an der Pressekonferenz und einer Führung teilzunehmen. Die meisten hier gezeigten Bilder stammen von diesem Rundgang.

Mayen Beckmann, Enkelin von Max Beckmann und Ortrud Westheider, Direktorin und Kuratorin der Ausstellung, Museum Barberini während der Pressekonferenz zur Ausstellung „Max Beckmann. Welttheater“.

 

Auf der Pressekonferenz machte sie auf ein Projekt aufmerksam, das ihr besonders am Herzen liegt, ein Online-Werkverzeichnis von Max Beckmanns Grafiken und Zeichnungen.

 

Im Interview – Mayen Beckmann, die Enkelin von Max Beckmann

Mayen Beckmann am Rande der Ausstellung in einem Interview. Unnötig zu erwähnen, dass sie ein begehrter Gesprächspartner war.

 

Blick in die Ausstellung – Max Beckmann im Museum Barberini

 

Sinnbild des Zeitgeschehens

Max Beckmanns Gemälde, Skulpturen und Druckgraphik zeigen oft Szenen, die auf oder hinter der Bühne spielen: Zu sehen sind Varieté- oder Zirkusnummern, Schauspieler in der Garderobe oder Schausteller auf dem Jahrmarkt. Hinzu kommen Selbstportraits, in denen sich Beckmann als Clown oder Artist präsentiert.

Für Beckmann war die Rolle des Zuschauers eine Möglichkeit, das Weltgeschehen zu kommentieren und persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Er fühlte sich als Berichterstatter verpflichtet, als Zeitgenosse, der das Leben auf der Straße und die gesellschaftlichen Gegensätze aufzeigen wollte. Er suchte die Wahrheit hinter der Maskerade, und dafür lieferten Zirkus und Theater die Vorlagen: das Leben ist nicht nur für Seiltänzer ein Balanceakt und nicht nur für Schauspieler ein Rollenspiel.

Zeitlebens war Beckmann vom Zirkus fasziniert, das zeigen persönliche Erinnerungen an Zirkusbesuche wie Fotografien und Autogrammkarten berühmter Artisten.

Ein weiterer Aspekt in Beckmanns Leben ist seine Verbundenheit mit den Vereinigten Staaten. Lange hatte er sich um eine Passage bemüht, aber erst 1947 war es soweit. Seine letzten Lebensjahre verbrachte in diesem, seinen Sehnsuchtsland und auch dieser Zeit kann man im Barberini Werke sehen.

Nach der Ausstellung „Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ ist das meine zweitliebste Ausstellung. Ich mag es Dinge zu entdecken, neue Sichtweise vermittelt zu bekommen. Beides ist hier der Fall. Beim zweiten Besuch habe ich wieder andere Bilder „gesehen“ und meine Entdeckungsreise ist noch nicht zu Ende.

So nebenbei kann ich jedem eine Jahreskarte empfehlen, Preis und Leistung sind unschlagbar (30 Euro).

Man kann im Museum fotografieren, was Anfangs gewöhnungsbedürftig war, aber wenn jeder es darf, verfliegt der Geruch des Verbotenen. Hier meine Lieblingsbilder.

Familienbild (1920)

Tänzerin (1935)

Der Schauspieler Heinrich George mit Familie. Man beachte den auffälligen Rahmen.

Schaut es Euch vor Ort an, es ist sehr beeindruckend.

Hinweise für den Besuch:

Das Museum Barberini befindet sich in Potsdam. Vom Hauptbahnhof läuft man maximal 10 Minuten. Die genaue Adresse:

Museum Barberini
Alter Markt
Humboldtstraße 5–6
14467 Potsdam

Besucherservice
T +49 331 236014-499
besucherservice@museum-barberini.com

 

Öffnungszeiten:

Montags und mittwochs–sonntags – 10-19 Uhr
Dienstags – geschlossen
jeden ersten Donnerstag im Monat – 10–21 Uhr